Umleitung: Schikane in der Buttelstedter Straße

Straßenverbot mit Zeichen 254

Update: Am 07.12.2009 14:00 erfolgt die feierliche Verkehrsfreigabe durch den Oberbürgermeister der Stadt Weimar, Stefan Wolf.
Unsere Pressemitteilung 10/2009 zu dem Ereignis.

Auf der AG Radverkehr am 21.04.2009 kündigte die Straßenverkehrsbehörde (StVB) an, dass die Holzbrücke über den Dürren Bach aufgrund der Baufälligkeit gesperrt würde. Die Brücke liegt im Zuge des staßenbegleitenden Radwegs von Schöndorf nach Weimar an der Buttelstedter Straße.
Die Sperrung erfolgte im Mai und die begleitenden Verkehrsregelungen, eine wahlfreie Umleitung durch das angrenzende Kleingartengebiet mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf 70 km/h für die Bundesstraße, war nach unserer Meinung sinnvoll und angemessen.

Zeichen 254Auf Drängen von Polizei und StVB wurde im Juni die Buttelstedter Straße für 350 m aus - für uns nicht nachvollziehbaren - Sicherheitsgründen für Radfahrer gesperrt. Dies verstößt gegen die Regeln der StVO, zugehöriger VwV, erfüllt nicht die Anforderungen an sichere und leicht mit dem Rad zu befahrene Radverkehrsführungen und gegen die rechtsstaatlichen Grundsätze, welche die Wahl des mildesten Mittels und das Abstellen der Gefährdungen beim Gefährder verlangen.

Stürze und Unfälle auf der Umleitungsstrecke

Es sind schon mehrere Stürze und Unfälle teils mit unangenehmen Verletzungen bekannt, die unmittelbar mit der Qualität der Umleitungsstrecke zusammenhängen und durch die Nutzung der Bundesstraße hätten vermieden werden können.
Wir bitten alle, die dort stürzten oder sich verletzten dies der Polizei als Unfall zu melden und der StVB zur Kenntnis zuzusenden.

Was wir an der Umleitung für Radfahrer auszusetzen haben

  • Die Umleitung zwingt Radfahrern ohne Grund einen Mehrweg von 750 m und ca. 20 extra Höhenmeter auf, was zu 6 - 10 min mehr Fahrzeit führt.
  • Die Umleitung führt durch unwegsames Gelände.
  • Die Umleitung führt durch einen unbeleuchteten Angst-Raum, der der sozialen Kontrolle entzogen ist.
  • Die Umleitung ist nur eingeschränkt befahrbar; zum Befahren ist Kondition und Mountainbiketechnik erforderlich.
  • Die Umleitung ist nicht hinreichend angekündigt und ausgeschildert.

Kürzer: Diese Umleitung entspricht nicht den Anforderungen die wir und der Gesetzgeber an Umleitungen für den öffentlichen Verkehr stellen.

Trotzdem soll diese Umleitung die sichere Alternative zum Befahren der Fahrbahn der Bundesstraße sein, deren Sperrung mittels Zeichen 254 Verbot für Radfahrer aus nicht näher konkretisierten Sicherheitsgründen notwendig sei.

Was wir an der Umleitung für Fußgänger auszusetzen haben

Auch für Fußgänger stellt die Umleitung eine erhebliche Beeinträchtigung der Erreichbarkeit Schöndorfs, insbesondere der Geschäfte, dar. Die Treppe und die Umleitung sind Kinderwagen, Rollstühlen, Nachläufern oder auch nur viel Gepäck eine deutliche, für manche nicht bezwingbare, nicht passierbar und damit eine unnötige schikanöse Hürde.

Was wir an der Sperrung mit dem Zeichen 254 auszusetzen haben

  • Dies Sperrung verstößt gegen §45, (9) StVO, da keine örtliche Gefahrenlage nachweislich bekannt ist, die die Einschränkung des fließenden (Rad-)Verkehrs rechtfertigt.
  • Die Umleitung ist nicht das mildeste Mittel der Gefahrenabwehr durch zu schnell fahrende Kraftfahrer auf dieser Bundesstraße.
  • Mögliche Gefährdungen auf der Bundesstraße aufgrund zu hoher Geschwindigkeiten oder mangelnder Abstände werden nicht bei den Gefährdern abgestellt, sondern es wird der Versuch gestartet, dieses bei den Gefährdeten zu tun, die dabei anderen weit größeren Gefahren ausgesetzt werden.
  • Die Bewältigung von Alltagsradwegen mit dem Rad wird nachhaltig gestört.
  • Das Verkehrsklima wird nachhaltig dadurch gestört, dass Radfahrer aus dem normalen Verkehrsraum entfernt werden (§2, (1) StVO: Fahrzeuge müssen die Fahrbahn benutzen, von zwei Fahrbahnen die rechte.), und damit nicht als gleichberechtigte fahrzeugführende Verkehrsteilnehmer wahrgenommen werden.
  • Radfahrer die das nördliche Thüringen auf Bundes- und Landesstraßen ohne Radweg durchquert haben fühlen sich einfach verarscht.

Unser Vorschlag

  • Frühzeitige Ankündigung der Sperrung der Brücke vor der Nordstraße.
  • Geschwindigkeitsbegrenzung auf 50 km/h auf diesem sehr kurzen Stück der Bundesstraße zwischen Weimar und dem Kreisel (ca. 350m).
  • Entfernung der Zeichen 254 (Verbot für Radfahrer).
  • Aufheben der linksseitigen Radwegbenutzungspflicht Richtung Schöndorf, um die ansonsten notwendigen gefährliche Querungen zu vermeiden.
  • Aufhebung der durchgezogenen Mittellinie vor dem Kreisel, um Kraftfahrern bergan ein ordnungsgemäßes Überholen zu ermöglichen.
  • Schnellstmögliche Wiederherstellung der Brücke, damit sich auch ängstliche Radfahrer auf ihren Wegen wieder wohlfühlen können.

Alternativ

  • Sperrung der Fahrspur Richtung Weimar mit Umleitung über Industriestr./Nordstr. und Nutzung als gemeinsamer Rad- und Fußweg, da Kraftfahrer wesentlich weniger umwegempfindlich sind.

Verhaltenshinweise

Nachdem beobachtet wurde, dass die Z254 umgeworfen wurden, scheint diese Regelung, berechtigt und nachvollziehbar, auf Aktzeptanzprobleme zu stoßen. Aus diesem Grund ein paar Hinweise:

  • Nach Auskunft der StVB wurde die ursprünglich angeordnete Geschwindigkeitsbegrenzung wieder aufgehoben, weil die Polizei keine Ressourcen frei hat, dieses Geschwindigkeitsbegrenzung durchzusetzen. Es ist daher anzunehmen, dass die Polizei auch keine Ressourcen hat, das Verbot für Radfahrer durchzusetzen.
  • Da auf der Bundesstraße kein Verbot für Fußgänger besteht, darf man die Bundesstraße begehen, z.B. auch sein Rad schieben.
  • Fährt man auf Bundesstraßen wie dieser, sollte man hinreichend Abstand nach rechts, 80 -100cm, halten, um a) sich einen Ausweichraum nach rechts zu sichern und b) es zu vermeiden, Kraftfahrer zum ordnungswidrigen Überholen mit zu geringem Abstand bei Gegenverkehr anzuregen.

Vorgehen

Verantwortlich für diese schikanösen Regelungen ist die Straßenverkehrsbehörde der Stadt Weimar:

Straßenverkehrsbehörde der Stadt Weimar
Schwanseestraße 17
99421 Weimar

Tel: +49 3643 762-385
Fax: +49 3643 762 250
strassenverkehr@stadtweimar.de

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