Gehwegfahren - NEIN DANKE!

Falschfahrer01Ein Verhalten das - oft berechtigt - an Radfahrern beanstandet wird, ist das Befahren von Gehwegen. Zu schnell und zu nah an Fußgängern, zu nah an Einfahrten und Eingangstüren und versteckt hinter geparkten Fahrzeugen scheinen es manche Radfahrer auf eine Kollision anzulegen.
Dabei ist das ordentliche Befahren der Fahrbahn sicherer und in unserem schönen von Staus wenig geplagten Weimar auch sehr viel schneller als das Herumgeeiere auf den oft schon für Fußgänger ungenügenden und teils zugeparkten Fußwegen.

Rechtslage ab 10 Jahre

Verkehrszeichen Fußweg-Radfahrer FreiDabei ist die Rechtslage eindeutig. Nur Gehwege, die mit "Fußweg - Radfahrer frei" beschildert sind, dürfen mit dem Rad befahren werden. Und auch nur mit angepasster Geschwindigkeit, d.h. bei Anwesenheit von Fußgängern, im Bereich von Ein- und Ausfahrten, Tür- und Hofeingängen sowie Fußwegabzweigungen nur mit Schrittgeschwindigkeit - einer Geschwindigkeit deutlich unter 20 km/h, bei der man sofort anhalten kann. Das berücksichtigt unter anderem die Tatsache, dass Fußgänger spontan ihre Richtung ändern können und dürfen.
Auch an Fußgängern fährt man mit angemessenen Sicherheitsabständen von mehr als 80 cm vorbei.

Diese Regeln gelten übrigens auch auf gemeinsamen Geh- und Radwegen und auf Radwegen neben Gehwegen in den Bereichen, in denen sich Fußgänger aufhalten.

Rechtslage für Kinder bis 10 Jahre

Kinder bis zur Vollendung des 8. Lebensjahres müssen, ältere Kinder bis zur Vollendung des 10. Lebensjahres dürfen mit Fahrrädern Gehwege benutzen. Auf Fußgänger ist besondere Rücksicht zu nehmen. Beim Überqueren einer Fahrbahn müssen die Kinder absteigen. (§ 2 (5) StVO)

Allerdings kann man von ihnen grundsätzlich nicht erwarten, das sie sich diese Regelungen halten, man muss sich ihnen gegenüber nach § 3 (2a) wie folgt verhalten: Die Fahrzeugführer müssen sich gegenüber Kindern, Hilfsbedürftigen und älteren Menschen, insbesondere durch Verminderung der Fahrgeschwindigkeit und durch Bremsbereitschaft, so verhalten, daß eine Gefährdung dieser Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist.

Kinder werden damit leider auch gezwungen hinter geparkten Fahrzeugen und anderen Sichthindernissen zu fahren, was wegen der mangelnden Wahrnehmung zu gravierenden Gefährdungssituationen führen kann.

Empfehlungen für Kinder in Begleitung Erwachsener

Beim gemeinsamen Radfahren von Erwachsenen und Kindern stellt sich das Problem, dass Kinder Gehwege benutzen müssen - Eltern aber die Fahrbahn. Die StVO, strikt angewandt, entfernt damit die Kinder aus dem Einfluss- und Überwachungsbereich der Begleitpersonen.

Damit widerspricht sich die StVO in der eigenen Zielsetzung, die Sicherheit bestmöglich zu gewährleisten.

Man kann, wenn man die Kinder ordentlich führen möchte, entweder mit Ihnen auf dem Gehweg fahren oder mit ihnen auf der Fahrbahn. Der ADFC und radfahrerfahrene Eltern empfehlen das Fahren auf der Fahrbahn; die Kinder fahren vorweg und alle unter Beachtung der Geschwindigkeit mit angemessenen Abständen nach rechts von 60-150 cm.
Dort werden alle gesehen, die Kinder können direkt beeinflusst werden und sie lernen frühzeitig das, was später der Normalfall sein wird: das Fahren auf der Fahrbahn.

Die Polizei toleriert in der Regel auch das langsame Fahren auf dem Gehweg. Allerdings ist dort zu beachten, dass dieses in der Regel sehr viel mehr Aufmerksamkeit, Konzentration und Koordination erfordert und aufgrund der vielfältig möglichen Einbauten und Enpässe zu Stürzen und Konflikten führen kann.

Links: Weitere Informationen zur Rechtslage, die ADFC Seiten zu Mobil mit Kind und Rad und die vom BMVBS geförderte Broschüre Mobil mit Kind und Rad.

Radfahren auf dem Fußweg

Beispiele für Kollisionen, Gefahrenpotenziale und Konflikte:

  • Fußgänger wendet sich spontan nach rechts oder links, während ein Radfahrer grade an der Seite mit zu geringem Abstand an ihm vorbei fährt. Der Fußgänger bekommt den Lenker in den Bauch und zieht sich beim Fallen eine Platzwunde und eine Gehirnerschütterung zu.
  • Auf der abschüssigen Jenaer Straße fährt mit knapp 40 km/h ein Radfahrer auf dem 1,5 m breiten Gehweg. In diesem Moment tritt ein Fußgänger aus seiner Haustür.
  • Ein sich gestikulierender, sich angeregt unterhaltender Fußgänger schlägt einem zu nah vorbeifahrenden Radfahrer in der Fußgängerzone ins Gesicht.
  • Ein Autofahrer tastet sich langsam aus einer Tiefgarageneinfahrt heraus - immer etwa 2-3 m des Gehwegs rechts und links im Blick um keine Fußgänger zu gefährden. Da kollidiert ein linksseitig zu schnell auf diesem Gehweg fahrender, behelmter Radfahrer mit seinem Auto.
  • Kanten, Einbauten, Rillen, Stufen und Steine stellen alles Hindernisse dar, an denen Radfahrer stürzen können.
  • Auf dem Gehweg am DNT (Deutsches Nationaltheater, Weimar), Hinterausgang fährt ein Radfahrer mit 15 km/h auf eine Gruppe älterer Fußgänger auf. Er klingelt. Ein Fußgänger hört nichts, die anderen stürmen auseinander, der rechte nach links, der linke nach rechts. Bei der Vollbremsung und dem Ausweichmanöver verhakelt sich der Lenker im Geländer zur Fahrbahn und der Radfahrer stürzt.

Mit Abstand auf der Fahrbahn: RichtigBesser auf der Fahrbahn...

Also liebe Mitradfahrer, wenn ihr auf Gehwegen oder in Fußgängerbereichen schon nicht schieben wollt, fahrt bitte sehr langsam - mit Abstand - und sprecht höflich mit den Fußgängern, wenn ihr an ihnen vorbei möchtet.

Grundsätzlich fahrt ihr aber besser auf der Fahrbahn. Das ist sicherer, bequemer und in der Regel auch schneller und vermeidet Fußgänger zu erzürnen.

Vertiefende Informationen

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