Schutzstreifen um jeden Preis?

Mit dem Neubau des Bauhausmuseums verändern sich auch die Verkehrsabläufe im Bereich des Weimarplatzes. Der Verkehr, der aus der Asbachstr. und Bertuchstraße kommt, wird um das Landesverwaltungsamt herum geleitet; ebenso der Verkehr Richtung Asbachstraße. Die Planung, die letztes Jahr in der AG Radverkehr vorgestellt wurde sieht einige Veränderungen vor. Unter anderem Linksabbiegen in das Parkhaus unter dem Weimar-Platz, aber auch die Befahrbarkeit des Platzes um das Bauhausmuseum und Schutzstreifen im Bereich Weimar Platz. Diese Schutzstreifen würden aufgrund der zur Verfügung stehenden Fahrbahnbreiten von größeren Kfz, wie SUVs, Transportern, BUssen, LKW mitbenutzt werden müssen. Aufgrund dieser Mitbenutzung wird in der ERA (Empfehlung für Radverkehrsanlagen) explizit davon abgeraten schutzstreifen anzulegen. Das Bedürfnis das separierenden Radverkehrsanlagen ist aber sehr groß, so dass die Stadt in einem Dilemma steckt: keine Schutzstreifen aufzubringen oder aber absehbar unzureichende.
Vorgesehen sind in einem weiten Bereich eine 4,75m Kernfahrbahn zwischen zwei 1,5m breiten (inklusive Markierung) Schutzstreifen.
Auch im ADFC Weimar gibt es keine eindeutige Meinung dazu. Deshalb hier die diskutierten Argumente:

  • Es gilt als wissenschaftlich erwiesen, dass insbesondere ungenügende fahrbahnbegleitende Radverkehrsanlagen die Sicherheit von Radfahrern vermindern, also die Gefährlichkeit erhöhen und dass 'gute Radverkehrsanlagen,' (Kopenhagen, 2,5 m - 3 m breit) die Sicherheit von Radfahrern auch nicht erhöhen.
  • Auf Radfahr- und Schutzstreifen (z.B. Marienstraße) fühlen sich viele Radfahrer wohler als im Mischverkehr auf der Fahrbahn (z.B. Stadtring). Deshalb ist einigen Radfahrern die Anlage von auch nicht ERA konformen Radverkehrsanlagen wichtig. Es gibt Radfahrern, die sagen: "Ohne Radwege fahre ich nicht mit dem Rad".
  • Die gesamte Fahrbahn ist am Weimarplatz insgesamt geringfügig (20 cm) schmaler als in der Marienstraße. Vorgesehen sind 4,75 m Kernfahrbahn und 2 x 1,5 m Schutzstreifen. Ein Begegnen von PKW bedingt, dass diese mit den rechten Reifen im Bereich der Schutzstreifenmarkierung fahren, größere PKW wie SUV die Markierung überfahren werden - um nicht mit den Spiegeln zu kollidieren. Überholabstände werden daher, wie in der Marienstraße, regelmäßig nur 15 - 50cm betragen, und damit weit unterhalb der von der Rechtsprechung als notwendig erachteten 1,5 m liegen. Auch deutlich unter den von vielen Radfahren noch als ausreichend empfundenen 80-100 cm.
  • Bus- und LKWfahrer werden den Schutzstreifen mitbenutzen müssen.
  • Der geringe Platz bedingt, das Radfahrer nah am Bordstein und damit nah an Fußgängern fahren. Auch dort werden die notwendigen Sicherheitsabstände zu Fußgängern (1 m) und Bordstein regelmäßig unterschritten.
  • Die Markierung suggeriert das die geringen seitlichen Sicherheitsabstände 'rechtmäßig' und 'angemessen' sind - entgegen der Rechtsprechung. Es ist damit zu erwarten, dass auch bei Überholvorgängen an anderen Stellen und in anderen Geschwindigkeitsbereichen diese geringen Abstände, dann vorsätzlich und von der Richtigkeit überzeugt, praktiziert werden.
  • Ein Schutzstreifen ermöglicht das langsame rechts vorbeifahren von Radfahrern an wartenden Kfz.
  • Die Schutzstreifen lassen die Fahrbahn schmaler wirken und reduzieren damit die Geschwindigkeit der Autofahrenden.
  • Im Bereich der Einfahrt zum Atrium ist abzusehen das der Schutzstreifen Richtung Goetheplatz regelmäßig von auf Geradeausfahrtmöglichkeit wartende Autofahren zugestellt ist. Und der Richtung Bahnhof regelmäßig von rechtsabbiegenden, den Fußgängern ihren Vorrang gewährenden Abbiegern.
  • Die Erfahrung mit dem Schutzstreifen in der Schwanseestraße zeigt, dass von rechts auf die Schwanseestraße einbiegende Autofahrer bis zur Markierung vorfahren, mit ihrem Fahrzeug dann den Schutzstreifen zustellen und damit dann vorbeifahrende Radfahrer behindern. Das wäre auch bei der Parkhausausfahrt Atrium der Fall. Der Schutzstreifen ist hier sogar gefährlich für Radfahrer.
  • Es wird Tempo 30 angeordnet, damit ist ein Schutzstreifen weder sinnvoll noch notwendig. Es ist keine örtliche Gefahrenlage vorhanden.
  • In der Umfrage zur Fortschreibung des Radverkehrskonzeptes wurden gerade die mindestmaßigen Schutzstreifen neben schmalen Fahrbahnen kritisiert und als gefährlich empfunden dargestellt.
  • In der Umfrage zur Fortschreibung des Radverkehrskonzeptes wurden ungenügende Sicherheits- und Überholabstände kritisiert, die bei vielen Radfahrer zu Gefühlen des Bedrohtseins führt. Deshalb wird in der ERA auch explizit von Radfahr- und Schutzstreifen abgeraten, wenn die Fahrbahnbreite, wie im betrachteten Abschnitt, keine angemessenen Überholabstände zuläßt, und zum Mischverkehr geraten: Radfahrer fahren vor oder hinter Kfz.
  • Kann der ADFC gegen Schutzstreifen sein?

Alternative: Sharrows

Um zu verdeutlichen wo Radfahrer fahren dürfen und dürfen sind andere Städte dazu übergegeangen Sharrows zu markieren. Fahrradpiktogrammen von 1,25m auf der Fahrbahn in 80 cm Abstand zum Bordstein mit Pfeilen.

2016-05-31, [ep]

... Abstände?
... wie in der Thälmannstraße, regelmäßige Mitnutzung? Wo ist da Platz?
Vielleicht doch besser so: Wo fahren Radfahrer?
Alternative Sharrow?


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