Mediale Rhetorik im Umgang mit Radfahrern


Wie über Radfahrer berichtet wird spiegelt wieder, wie Radfahrer und das Radfahren von Journalisten, Schreiberlingen und Redakteuren gesehen wird. Aber auch wenn man anderen in öffentlichen Diskussionen Menschen genau zuhört, kann man erkennen, welchen Stellenwert Radfahrer und Radfahrer haben - unabhängig von den widersprechenden inhaltlichen Bekundungen.
Schaut man Pressemeldungen an, findet man gravierende Unterschiede wenn sehr ähnlichen Sachverhalte mit Kraftfahrern oder mit Radfahrern dargestellt werden, jenachdem von wem sie verursacht werden.

Ein klassisches Beispiel ist eine Unfallmeldung bei einer Vorfahrtmißachtung zwischen Kraftfahrer und Radfahrer. Ist der Vorfahrtmißachtende ein Kraftfahrer steht in der Regel in der Meldung '...hat den Radfahrer übersehen...' während dann, wenn der Radfahrer die Vorfahrt mißachtete dieses dort auch steht: '...mißachtete die Vorfahrt des ... Kraftfahrzeugs'.

Die Wissenschaft um die Kunst der Darstellung mit Worten heisst Rhetorik und ist ein Handwerkszeug von Meinungsmachern, Politikern, Marketingleuten und allen die Interessen vertreten. Radfahrer und auch Fußgänger kommen dabei nicht gut weg, was seinen Ursprung Anfang des 20. Jahrhunderts hat, wo nachdrücklich mit Jaywalking, Jayriding Kampagnen sowie Rad- und Fußwegen mit Benutzungspflicht versucht wurde Autofahrern freie Bahn zu schaffen. Zwischen den Kriegen gab es sogar interne Polizeianweisungen, Verhaltensfehler vorrangig bei Radfahrern, Fußgängern und Fuhrwerksfahrern zu suchen.

Die Themen um die es bei der Rhetorik geht sind, was oder wer steht im Vordergrund, wer handelt aktiv, wer wird als passiv hinnehmend (schichsalhaft) dargestellt. Aber auch wie wird ursächliches Verhalten dargestellt? Oder was wird in der Fülle der Informationen überhaupt dargestellt? Was wird nicht dargestellt? Werden die Folgen und Konsequenzen dargestellt?

Mit Worten animiert man andere sich Bilder im Kopf zu zeichnen, und diese Bilder prägen sich viel tiefer ein als die abstrakt sachlichen Wortketten. So besteht die Kunstrichtung der Rhetorik darin mit dem im Kopf gezeichneten Bild dem eigentlichen Inhalt widersprechende Aussagen und Wertungen zu transportieren und zu implizieren. Dies wird auch gern im Bereich des Verkehrs genutzt. Der Autor dieser Zeilen sieht darin einen wesentlichen Aspekt für das irreale Sicherheitsempfinden und die Fahrbahnphobie im Verkehr.

Seit einiger Zeit gibt es ein BLOG engagierter Radfahrer, die insbesondere Unfallmeldungen auf ihre sachlich richtige Darstellung und die rhetorischen Implikationen untersuchen und kommentieren: PresseRad. Sie ist damit eine Leseempfehlung; um zu verstehen was in dem öffentlichen Diskurs über Radfahrer so los ist.

  • In der Kategorie Murmeltier geht es um die öfter tödlichen Klassiker der Unfällen mit Radfahrern: Abbiegeunfälle, verursacht durch LKW Fahrer.
  • In Da fällt einem gar nichts mehr zu ein geht es um Beschreibungen, die Radfahrern schuldhaftes Verhalten zuschreiben, obwohl sie gar keine Schuld trifft
  • Unter Hoffnungsschimmer gibt dann die positiven Meldungen in denen im wesentlichen korrekt berichtet wird. Darunter auch eine Unfallmeldung aus Ilmenau, eine der wenigen aus Thüringen.

Die Kategorien findet man links im Menü, wenn man nach unten scrollt.
Darin auch die 10 goldenen Regeln für bessere Unfallmeldungen die aufzeigen wie man die typischen Fehler vermeidet.

Ich wünsche erkenntnisförderndes Lesen auf PresseRad.

2015-05-30, [ep]



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